Der Aufbau meines Emergency Funds

Endlich ist es so weit, mein Bausparvertrag wurde mir verzinst ausgezahlt!

 

Wie bedrohlich die Lage für mich war, kann man an den untenstehenden Screenshot gut erkennen, ich habe den Dispo von 4800 Euro fast komplett ausgeschöpft.

Den letzten Kauf, 11 Aktien von Lam Research, habe ich kurzfristig voll über den Dispo finanziert. Da mag manch einer sagen, dass das nicht so schlau gewesen ist, ich bin aber der Meinung, dass der Einstiegszeitpunkt der richtige gewesen ist.

Nun geht es darum, einen Emergency Fund aufzubauen. Leider gibt es auf die klassischen Sparprodukte, also Tages und Festgeld, keine nennenswerten Zinsen mehr. Nennenswert wären die Zinsen erst dann, wenn ich damit den Kaufkraftverlust, allgemein als Inflation bekannt, ausgleichen kann. Die Inflationsrate liegt laut statista.com in Deutschland bei 1,4%. Auf Tagesgeld gibt es z.Z. maximal 1,0%, und dieser Zinssatz wird auch nur für einen begrenzten Zeitraum Neukunden gewährt, nach 3 – 4 Monaten ist meist schon Schluss damit und der Zinssatz sinkt auf mager 0,4 – 0,3%, oder sogar noch weniger. Es handelt sich also um klassische Lockvogelangebote.

Mit Tagesgeld kann man also den Kaufkraftverlust zur Zeit nicht kompensieren!

Anders sieht da die Situation bei Festgeld aus. Hierbei gibt es noch Zinsen von über 2%. Damit ließe sich die Inflation, die sich langfristig zwischen 1,5% und 2,0% einpendeln wird, schon ausgleichen. Allerdings hat das Ganze einen riesigen Pferdefuß. Es geht auf Kosten der Flexibilität. Beim Festgeld ist das Geld eben zu einem vorher bekannten Zeitraum, nicht verfügbar. Zwar kann man bei manchen Banken auch früher an das Geld herankommen, das geht dann allerdings auf Kosten der Zinsen, meist werden dann keine Zinsen gezahlt. Long Story short, Festgeld eignet sich nicht für den Emergency Fund.

Daher werde ich bei meinen eigenen Emergency Fund auch auf Tagesgeld setzen.

Bei der Auswahl des richtigen Tagesgeldes ist der Zinssatz augenscheinlich das Einzige, und wichtigste Kriterium. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Wie ich ein paar Zeilen zuvor schon erwähnt habe, locken viele Banken mit (verhältnismäßig) guten Zinsen vor allem Neukunden. Dieser Zinssatz wird dann aber nur für einen begrenzten Zeitraum gewährt, und sinkt danach drastisch ab, auf das Niveau aller anderen Kunden, denn man ist dann ja kein Neukunde mehr.

Jetzt könnte man natürlich alle paar Monate das Tagesgeld wechseln, das ist aber mit einem nicht zu unterschätzenden Aufwand verbunden. Schließlich muss die Identität des Kontoinhaber jedes Mal aufs neue geklärt werden. Beispielsweise über das Post-Ident verfahren oder per Videochat.

Wenn man sich allerdings vergegenwärtigt, dass man für nur 0,xx % mehr Zinsen diesen ganzen Aufwand betreibt, das nennt sich übrigens Tagesgeldhopping, kann man schnell die Lust verlieren und bleibt eben bei der Bank. Meiner Meinung nach ist das aber falsch, denn genau darauf spekulieren ja die Banken mit ihren Lockvogelangeboten.

 

Wo findet man also das beste Tagesgeldangebot ohne "Haken"?

Wer per Google nach Tagesgeldangeboten sucht, wird schnell bei chcek24 und Konsorten fündig.

Dort gibt es allerdings nicht die Besten Angebote! Denn natürlich werden nur die Banken gelistet, die bereit sind, an Check24 und Co. eine Vermittlungsprovision zu zahlen.

 

Nach einigem Suchen bin ich vor Jahren auf die Seite sparkonto.org gestoßen. Hier gibt es wirklich die besten Tages / und Festgeldangebote.

 

In diesem Screenshot sieht man die Auflistung der besten Tagesgeldangebote. Zu beachten sind die gelben Blitze. Wenn man mit der Maus über das Blitzsymbol geht, liest man wichtige Informationen zu den jeweiligen Angeboten. Beispielsweise beträgt die Mindestanlagesumme 1000 Euro oder der gezeigte Zinssatz gilt nur für Neukunden für wenige Monate.

Bei der Suche nach dem besten Tagesgeldangebot habe ich es mir denkbar einfach gemacht, ich habe das erste Angebote genommen, bei dem kein Blitzsymbol vorhanden ist. (Stand Juni 2019) Dies ist die schwedische TF Bank mit 0,65% Zinsen p.A.. Der Zinssatz ist relativ stabil, und wurde zuletzt am 01.09.2018 (nach unten) angepasst. Der Anmeldeprozess war einfach und ich habe inzwischen schon über 1000 Euro auf mein neues Tagesgeldkonto überwiesen. Online Banking, wie wir es kennen, wird indes nicht angeboten. Auszahlungen muss man per Formular beantragen. Dies geht so, auf der Internetseite der Bank das entsprechende Formular herunterladen, ausdrucken, ausfüllen und unterschreiben und anschließend einscannen und mailen. Das wirkt schon ein bisschen antiquiert, aber ich verfüge über einen Drucker und Scanner und von daher stellt dies für mich kein größeres Problem dar. Die Kontoauszüge gibt es einmal pro Monat per E-Mail.

Beim Tagesgeld sind die Einlagen über den Einlagensicherungsfonds des jeweiligen Landes abgesichert. Bei der TF Bank der von Schweden. Einlagen bis 100000,00€ sind damit gesichert, selbst wenn die Bank in Konkurs geht. Grundsätzlich habe ich bei dem schwedischen Einlagensicherungsfonds ein besseres Gefühl, als z.B. beim maltesischen, auch wenn das im Prinzip keine Rolle spielen sollte.

 

Durch das Tagesgeldkonto bei der TF Bank, kann ich also zumindest den Kaufkraftverlust meiner Cash-Bestände etwas verlangsamen. Geht man von 1,5% Inflation aus, habe ich "nur" noch 0,85% Kaufkraftverlust. Die ist natürlich keine befriedigende Lösung, in Zeiten der 0-Zinspolitik aber immer noch besser als der Alibizinssatz von 0,01% den manche Filialbanken "großzügiger weise" noch bieten. 


Es gibt allerdings eine Möglichkeit sein Geld trotzdem noch rentabel anzulegen und gleichzeitig liquide zu bleiben….

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Ich möchte an dieser Stelle eine Art Tagesgeldersatz vorstellen, bei dem die versprochen Rendite bei sagenhaften 6,75% liegt. Es handelt sich um das Produkt "Go & Grow" vom Anbieter Bondora.

 

Natürlich wird die höhere Rendite nur durch ein höheres Risiko ermöglicht. Hat man beim Tagesgeld ein Verlustrisiko von quasi 0% sieht es bei "Go & Grow" schon anders aus.

Bondora ist eine estnische Kreditvermittlungsplattform bei der sich Privatmenschen von Privatmenschen Geld leihen.

Im Gegensatz zum klassischen Tagesgeld ist "Bondora Go & Grow" eben nicht durch einen Einlagensicherungsfonds geschützt, sondern lediglich durch die Kreditnehmer an sich. Damit ist theoretisch bis zum Totalausfall Alles drin.

Die erzielte Durchschnittsrendite liegt bei 10,5%, über 60% der Investoren erzielen eine Rendite von über 9% jährlich und 98,6% aller Investoren erzielen positive Renditen.

Beim Produkt "Go & Grow" ist die maximale Rendite auf 6,75% gekappt. Die restlichen Prozentpunkte bis zur Durchschnittsrendite dienen als Puffer, also um beispielsweise Geld für Abhebungen bereitzuhalten, oder auch für Kreditausfälle bzw. Zahlungsverzögerungen bei den Kreditnehmern. Das bei Bondora "Go & Grow" eingezahlte Geld wird über viele Kredite, unterschiedlichen Ratings, breit gestreut und vollautomatisiert investiert. Die Kreditratings beginnen bei AA (kaum Ausfallrisiko, dafür wenig Zinsen) und hören bei HR(sehr hohes Ausfallrisiko, also spekulativ, dafür sehr hohe Zinsen) auf.

Die Kreditnehmer kommen aus den Ländern Estland, Finnland und Spanien.

Das Konzept von "Go & Grow" scheint recht vernünftig zu sein, es verhält sich im Prinzip wie ein Tagesgeldkonto, aber mit wesentlich attraktiveren Konditionen.

Dennoch möchte ich hier eines klar stellen: Bondora "Go & Grow" ist kein Tagesgeldersatz!

Es kann aber als Ergänzung und Renditeboost zum klassischen Tagesgeld dienen. Je nach Risikoneigung kann der Emergency Fund also beispielsweise aus 20% "Go & Grow" und 80% klassiches Tagesgeld bestehen. Um die Inflation von ca. 1,5% auszugleichen benötigt man einen Mix aus 86% Tagesgeld bei der TF Bank und 14% Bondora "Grow & Grow".

Ich habe mich für einen Mix aus 50% Tagesgeld und 50% Bondora Go & Grow entschieden, dies ergibt eine zu erwartende Rendite von 3,7%, damit habe ich die Inflation locker geschlagen. Die ersten 1100 Euro habe ich auch schon auf mein "Go & Grow" Konto überwiesen.

Erwähnt werden muss an dieser Stelle noch, dass pro Auszahlung der Pauschalbetrag von 1,00 Euro erhoben wird. Kurzfristiges hin und her Geschiebe ist demnach zu vermeiden. Auch kann sich die Auszahlung verzögern, wenn beispielsweise viele Kunden auf einmal eine Auszahlung beantragen.

Wer Bondora "Go & Grow" ausprobieren und mich gleichzeitig unterstützen möchte, kann sich über meine Reflink anmelden (und 5 Euro Startguthaben kassieren).

Wer über meinen Reflink außerdem in den ersten 30 Tagen mindestens 1000 Euro investiert erhält von Bondara zusätzlich einen Cash-Bonus in Höhe von 25 Euro.

Natürlich sind auch die anderen Produkte von Bondora, Bondora Portfolio-Manager und Bondora Pro einen Blick wert, wenn man sich für P2P-lending interessiert.

Weil ich eine Provision von Bondora erhalte, habe ich diesen Bereich als Werbung gekennzeichnet. Euch entstehen keinerlei Nachteil durch das Verwenden meines Reflinks.

Es ist vielleicht unnötig es nochmals zu erwähnen, aber natürlich handelt ihr dabei auf eigenes Risiko, denn wie in diesem Text bereits erwähnt sind Auszahlungsverzögerungen und Kapitalverlust bei diesem Produkt möglich. 

 

 

Werbung Ende

Wie groß sollte der Emergency Fund sein?

Meiner Meinung nach sind bei einem Arbeitnehmer 2 -3 Nettomonatsgehälter ausreichend. Ich strebe eine Größe von maximal 5000 Euro an. Dies ist eine ausreichende Größe, um unvorhergesehen Ausgaben begleichen zu können, ohne dafür einen Kredit aufnehmen zu müssen, oder, und das ist noch schlimmer, einen Teil der Wertpapiere, die ja langfristig für einen Rendite erwirtschaften sollen, zu verkaufen.

 

Bei Selbständigen sollte der Emergency Fund wahrscheinlich noch ein gutes Stück größer sein. Natürlich sollte man, wenn man den Emergency Fund denn mal anzapfen muss, diesen schnellstmöglich auf die gewünschte Zielgröße wieder "auffüllen".

Mich würde an dieser Stelle interessieren, wie Ihr das Thema Emergency Fund bzw. Notgroschen für euch gelöst habt.

P.S.  Ich habe nach Anregung eines Lesers den Bereich "Depot" upgedated und neu gestaltet. Auch im Bereich "Meine finanzielle Situation" habe ich ein Update verfasst.

Bildquelle Vorschaubild: pixabay.com

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Kommentare: 2
  • #1

    Nils (Dienstag, 18 Juni 2019 20:23)

    Hi, ich bin durch den Blog von Alexander (Rente mit Dividende) auf deinen Blog aufmerksam geworden. Mein Notgroschen ist fix bei 10.000€, das entspricht 3,5 Nettolöhnen. Hast du schon erste Erfahrungen mit Bondora gemacht? Habe des Öfteren schon darüber gelesen, bin allerdings (noch) skeptisch.
    Grüße
    Nils

  • #2

    Dividendendennerd (Dienstag, 18 Juni 2019 22:32)

    Hallo Nils,

    ich habe inzwischen 1200 Euro auf Bondora Go & Grow überwiesen. Das ist aber noch nicht lange her. Eine Auszahlung habe ich noch nicht beantragt. Die Zinsen werden täglich hinzuaddiert. Sobald ich eine Auszahlung beantrage, werde ich hier in meinem Blog darüber berichten. Ich gehe davon aus, dass das Geld innerhalb von einem Bankarbeitstag auf meinem Girokonto sein wird, aber man wird sehen.
    Ich möchte keinen dazu überreden in Go & Grow zu investieren, auf die Risiken habe ich ja hingewiesen. Aber es eignet sich zumindest als Ergänzung zum Tagesgeld und es kann dazu beitragen, dass die Inflation nichts von der Kaufkraft des Notgroschens abknabbert.
    mfg
    Ps, ich werde höchstwahrscheinlich zu Alexanders Lesertreffen gehen und dann darüber einen kleinen Blogeintrag schreiben.